• S. Dederer

Traumata

Aktualisiert: 7. Aug.

Der Begriff Trauma bedeutet "Wunde" oder "Verletzung". Im psychotherapeutischen Kontext sind damit vor allem seelische Wunden gemeint, die durch lebensbedrohliche Ereignisse, wie Gewalt, sexueller und körperlicher Missbrauch, Unfälle, Naturkatastrophen aber auch Vernachlässigung entstehen können. Traumatische Erfahrungen zeichnen sich durch extreme Angst- und Ohnmachtsgefühlen aus und übersteigen die menschliche Verarbeitungsfähigkeit bei Weitem. Insbesondere Kinder sind sehr verletzlich und können beispielsweise durch anhaltende Vernachlässigung oder medizinische Eingriffe traumatisiert werden, deren Folgen sich bis ins Erwachsenen Leben ziehen kann.


Die durch Menschen verursachte Traumatisierung kommt leider häufiger vor als eine durch die Natur verursachte Katastrophe. Erstere sind schwerer zu verarbeiten, da unser Vertrauen in den Menschen maßgeblich verletzt wurde. Wir fühlen uns persönlich verraten und geschädigt. Anders verhält es sich bei Naturkatastrophen, wie z.B. einer Überflutung, Pandemien (Corona) oder Feuer. Häufig werden wir damit leichter fertig, weil wir das Ereignis als „naturgegeben“ hinnehmen, selbst wenn es uns großen Schaden zufügt.



Die schädlichen Auswirkung auf die geistige und körperliche Gesundheit und die Entwicklung charakteristischer Symptome nach der Konfrontation mit traumatischen Ereignissen ist heutzutage genau untersucht und beschrieben. Die Betrachtung zeigt, dass unterschiedliche traumatische Ereignisse ähnliche Belastungsreaktionen hervorrufen. Die typische Symptomatik macht sich in drei Hauptgruppen deutlich:


1. Intrusionen/Wiedererleben:

Belastende, sich aufdrängende Gedanken und Erinnerungen an das Traumata (Bilder, Albträume, Flashbacks) oder Erinnerungslücken (partielle Amnesie)


2. Vermeidung/Betäubung: Vermeidung traumaassoziierter Stimuli und allgemeiner Rückzug, Interessenverlust, innere Teilnahmslosigkeit


3. Übererregung:

Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit, Affektintoleranz, Konzentrationsstörungen


Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine mögliche Folgereaktion nach einem einzelnen auslösenden Ereignis (Typ-1 Trauma, z.B. Unfall oder Gewalttat) oder wiederholt traumatischer Ereignisse (Typ-2 Trauma, z.B. sexuelle Gewalt oder Vernachlässigung). Ein Typ-2 Trauma hat meist schwerere Folgen als ein Typ-1 Traumata. Die Symptomatik kann unmittelbar oder auch mit z.T. mehrjähriger Verzögerung nach dem traumatischen Geschehen auftreten. Ein wichtiger Faktor ist das Ausmaß der Dissoziation nach der traumatischen Erfahrung als Resultat einer veränderten Informationsverarbeitung im Gehirn unter Extremstress.


In der Folge eines traumatischen Ereignisses kommt es neben dem Auftreten einer posttraumatischen Belastungsstörung zu einem erhöhten Risiko für andere psychische Störungen. Am häufigsten werden Depressionen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen und Substanzmissbrauch beobachtet. Bei Kindern und Jugendlichen werden Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, chronische Schmerzen, Essstörungen oder eine dissoziative Störung (Derealisation und Entfremdungsgefühle) begünstigt.



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